Oldtimerclub Stolberg e.V.

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Fiat 600 D, Bj `63 (Bericht von Frank Kutsch)

Hallo zusammen,

SOOO! Wir (mein Sohn Tim und ich) haben uns nun also entschlossen einen Wagen vollständig neu aufzubauen. Ebay-Kleinanzeigen raus und suchen... was finden wir: einen kleinen Italiener aus Kerkrade. Luigi - so heißt er ab jetzt - wurde von einem echten Sizilianer nach Holland importiert, damit wir ihn kaufen konnten. Mittlerweile kann ich mir denken, warum ER den Wagen nicht selber aufgebaut hat ;-) Es ist schon ein großes Projekt, aber wir haben es ja so gewollt.

Der erste Tag ist vorbei und nach 7 Stunden sieht Luigi - so heißt er nun der 600D von 1963 - schon ziemlich erbärmlich aus .

Kofferraum leer, Innenraum leer (samt allen Mäusenestern), Scheiben raus und alle Anbauteile am Motor sind schon raus.




Dann ist auch der Motor dran. Hmmmm....erstes mal, hoffe es geht genauso reibungslos wie die Arbeiten bisher.

Ich hätte nicht gedacht, dass sich die Schrauben nach fast 60 Jahren so leicht lösen lassen. Hatte aber auch die schlimmsten - wie die vom Krümmer - gestern Abend schon gut eingesprüht.

Ist jedenfalls echt coole Arbeit, vor allen Dingen, wenn der 2. Junior auch noch hilft. Wenn man bedenkt, dass gerade er normalerweise nur an allem hängt, was 2 Räder hat (überzeugter Trial-Fahrer), war das schon eine Freude mit ihm zu arbeiten. Am Besten sind die Bodenbleche, nachdem alles raus war, haben wir ein Feuersteinauto - cool vergiss Bremsbeläge wenn es auch mit den Füßen geht - egal! Bodengruppen eben schon geordert. Soll ja auch ne schöne Restauration werden, die nochmal so lange hält. Da bin ich allerdings schon auf dem Komposthaufen. Am Besten ist das Drehgestell, welches ich im Fiat Forum gesehen habe und das SOFORT nachgebaut wurde - was für eine Arbeitserleichterung! Selbst die Lackierer waren begeistert, dazu später mehr.


Heute war das Getriebe dran, die Türen wurden abgebaut und zerlegt (hab dazu noch rasch ne Anleitung gemacht). Als ich das Öl aus dem Getriebe abgelassen habe, traf mich der Schlag - das war max. 1/2 Liter drin, kacke, das ist bestimmt über die Wupper. Das Öl roch auch ziemlich nach TOD. Also das auch zum Getriebe-Guru. Danach haben wir alle Bauteile des Armaturenbretts abgebaut. Die größte Frage, die wir uns bis hierhin stellten war: Kabelbaum neu oder alten benutzen???? 

Ich weiß zwar, was jetzt für ne Arbeit auf mich zukommt, aber der Entschluss stand dann doch relativ schnell fest: NEU machen. Die hab ich bisher im Netz noch nie gesehen, d.h. wohl selber ran. Kriegen wir hin, hab mal vor grauer Vorzeit Elektroniker gelernt. Aber was soll man sagen: Für den Koffer bekommste echt ALLES im Netz. Kabelbaum (na ja eigentlich ist es ja ein Bäumchen ;-) kostet sagenhafte 130,-€ - also HER DAMIT ! Jetzt, wo alles raus ist, gehts mit dem Häufchen Elend ab zum Sandstrahlen.

Eigentlich dachte ich, dass wir nur mit einem Eimer zusammengekehrten Staub zurück aus Aldenhoven kommen, aber erstaunlicherweise war die Substanz - mal abgesehen von den Böden - echt überraschend gut für einen 57 Jahren alten Wagen.

Jetzt ging es ans Schweißen. Diese Arbeiten hat mein Schwager - selbst Italiener - übernommen. Es hat ihm trotz vieler vieler Stunden offensichtlich Spaß gemacht zu sehen, wie Luigi wieder zu alter Form kommt. Während dessen, haben wir so gut wie alle Anbauteile gesandstrahlt und wieder aufgebaut. Hier nur ein paar Beispiele:


Nebenbei stand noch ein ganz anderes Problem an: DER MOTOR! Durch unsere Freunde vom ECC haben wir den Motoren-Guru und Oldtimerspezialist Klaus Derondeau kennengelernt. Tim muss sein 3-monatiges Praktikum für das anstehende Maschinenbau-Studium an der FH Aachen nachweisen, also was liegt näher, als Klaus zu fragen, ob er dies dort durchführen kann. WAS FÜR EIN GLÜCK! Besser kann man es doch nicht antreffen - von den MEISTERN lernen. Das Motörchen geht natürlich mit zu Klaus:


Bis auf das Motorgehäuse und Kurbel- und Nockenwelle wird der Motor komplett neu aufgebaut. Leider warten wir wegen der Coronakrise zur Zeit immer noch auf die Kolben (seit 3 Monaten mittlerweile). Auch der Lackierer ließ sich Zeit. Nach 2 Monaten besuchten wir ihn unangekündigt und siehe da: Luigi stand unverrichteter Dinge vor uns. Nach einem Gespräch haben wir uns geeinigt, dass wir langsam gerne weitermachen würden und Luigi bis zum Wintereinbruch schon auf seinen Schuhen stehen sollte. Und dann legten die Jungs aus Overath aber richtig los. Jeden Tag bekam ich viele Bilder von Luigi und der Abholtermin wurde in 4 Wochen festgelegt.


Bis hierhin sind nun 9 Monate vergangen - wir haben ca. 120 Arbeitsstunden gebraucht. Zwischenzeitlich waren leider lange Arbeitspausen - organisatorisch bedingt: Wir mussten noch einen Oldtimerclub gründen, 5 touristische Fahrten organisieren, Gemeinnützigkeit anerkennen lassen, usw. usw.. Wir werden weiter berichten. 

Luigi ist fertig lackiert. Nun warten wir auf den Rücktransport in sein zuhause. Dann gehts los. Die Winternachmittage sind also gerettet. Da wird die ORI-freie Zeit in die Knutschkugel investiert.


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